Wespen lassen sich kaum blicken

Zeitungsartikel http://www.schwaebische.de Erschienen : 03.09.2012

BAD WALDSEE Das Eis in der Hand, den Kuchen auf dem Teller. Wunderbar. Aber irgendetwas hat in diesem Sommer doch gefehlt. Den SZ-Lesern ist es aufgefallen: „Wo bleiben in diesem Jahr die Wespen“, wurde in E-Mails an die Redaktion gefragt. Gab es in diesem Sommer wirklich weniger Wespen als sonst?

Die SZ ist dieser Frage nachgegangen. Und das am passendsten Ort, den es in Bad Waldsee gibt: im Wespenmoos. Hier hat die Firma Fleschhut, Schädlingsbekämpfung ihren Sitz. „Wir hatten in diesem Sommer wirklich weniger Wespen als sonst“, bestätigt Geschäftsführer Thilo Fleschhut sofort. „In den letzten Jahren waren die Wespen eine regelrechte Plage. Dieses Jahr war das anders.“

Die Firma Fleschhut entfernt Wespennest in ganz Oberschwaben und auch im Bodenseekreis. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter zwischen 600 und 700 Wespennester entfernt. „Es ist sogar gut möglich, dass es noch mehr waren“, sagt Fleschhut. In diesem Jahr haben die Mitarbeiter der Firma noch keine 100 Wespennester entsorgt. „Vielleicht liegt das an diesen extrem kalten Wochen im Februar“, sagt Fleschhut. Diplombiologin Margit Ackermann, stellvertretende Vorsitzende beim BUND in Bad Waldsee, kann diese Theorie bestätigen. „Wir hatten im Februar ja teilweise bis zu minus 20 Grad. Bei den Wespen überwintern ja nur die Königinnen. Es kann gut sein, dass sie das kalte Wetter nicht überlebt haben.“ Während das Wetter offensichtlich schlecht für die Wespen war, war es hingegen gut für andere Tiere: „Wir haben in diesem Jahr extrem viele Nager. Mäuse und Ratten“, sagt Thilo Fleschhut. „Das liegt wahrscheinlich an den fehlenden Naturfeinden.“ Völlig untypisch sei auch, dass viele der Nager bereits so früh im Jahr in die Häuser drängen. Zehn bis 15 Einsätze haben die fünf Mitarbeiter des Betriebs wegen der Nager täglich. „Das Problem ist auch, dass die Leute heute sehr viel kompostieren oder Müll über die Toilette entsorgen“, sagt Fleschhut. Das locke die Tiere natürlich an. „Wir hatten einige Fälle, bei denen Ratten über die Toilette ins Haus gelangten. So etwas gab es früher nicht.“

Aber zurück zu den Wespen. „Es gibt auch harmlose Wespen, die man nicht bekämpfen muss“, sagt Fleschhut. Dazu gehöre beispielsweise die Feldwespe. „Das sind die, die ihre Nester oft unter Dachplatten haben. Sie gehen nicht auf Fleisch und freuen sich einfach an der Sonne. Diese Art von Wespen stirbt Ende August.“ Man könne die Feldwespe daran erkennen, dass sie während des Flugs lässig die Hinterbeine hängen lässt. Aggressiv sind dagegen die Gemeine und die Deutsche Wespe. Die Aufmerksamkeit dieser Arten sollte man nicht unbedingt auf sich ziehen. Darum rät Fleschhut: nicht in der Einflugrichtung zum Nest stehen, keine grellen Farben tragen und auf starke Parfüms verzichten. Davon, ein Nest dieser Arten selbst zu entfernen, rät er ab. „Wir hatten schon oft Leute, die bei uns einen Spray gekauft haben, um selbst ein Wespennest zu entfernen, und die dann am nächsten Tag total verstochen wiederkamen und doch Hilfe brauchten.“

Im Falle eines Wespennests solle man sich an einen Fachmann wenden. Auch die Feuerwehr kann in diesem Fall helfen. Gemeine und Deutsche Wespen dürfen laut Fleschhut abgetötet werden. Anders ist das bei Hornissen. Deren Nester müssen umgesiedelt werden, weil die Tiere geschützt sind. „Das machen wir aber nicht selbst“, sagt Fleschhut. Dafür gebe es noch mal extra Experten.

Wespennestern auf der Spur

Zeitungsartikel http://www.schwaebische.de Erschienen : 13.08.2003

WANGEN - Wer in diesen Tagen draußen sein Essen genießen will, der hat meist ungebetene und reichlich aggressive Gäste, die Wespen. Und wer, wie Thilo Fleschhut, beruflich mit Schädlingsbekämpfung zu tun hat, der ist zurzeit von morgens bis nachts unterwegs, um Wespennester zu beseitigen. Die SZ traf ihn im Einsatz. Von unserer Redakteurin Susanne Müller

Unterm Dach ein Wespennest, dort wo die Gäste geruhsam schlafen sollen, die Kundschaft hat da keine Ruhe. Kammerjäger Thilo Fleschhut besichtigt den Ort des Nests und ist sicher, eine jener Wespenarten gesichtet zu haben, die nicht auf der Liste der bedrohten Tiere steht. Also steigt er in seine Schutzkleidung, lehnt eine lange Leiter an und betäubt die Tiere mit einem Spray. Schließlich sollen sie nicht sterben. Dann zückt er ein Messer und schneidet das Nest mit geübtem Schnitt ab. Dieses Nest war nicht sehr groß. Da hat Fleschhut schon Anderes gesehen.

Vor kurzem, berichtet er, habe ihn ein sehr naturverbundener Mann angerufen, mit der Bitte, jenes Wespennest ausfindig zu machen, aus dem nun doch zu viele Tiere strömten, die ihm und seiner Frau beim nächtlichen Schlummer auf dem Balkon die Ruhe raubten. Die Ehefrau war am Auge gestochen worden. Zusätzlich zur Bettstatt befand sich auf dem Balkon ein Kleiderschank und in dessen Innerem hatten die Wespen ganze Arbeit geleistet. Fleschhut traute seinen Augen kaum. Denn die Tiere hatten ein etwa 60 auf 80 Zentimeter großes Nest gebaut. Der trockene und milde Winter, erklärt der Fachmann, und jetzt der heiße Sommer hätten für die oft nicht sehr geschätzten Gäste ideale Brutbedingungen geschaffen. Und deshalb seien sie jetzt auch in Schwärmen unterwegs. Nicht nur die Bäcker haben ihre liebe Not mit den Wespen, auch bei Grillpartys schauen sie vorbei und laben sich an Würsten und Fleisch, dass man sich nur wundern kann. "Früher habe ich immer Apfelsaft aufgestellt, damit sich die Wespen nicht gerade auf dem Tisch niederlassen. Aber das funktioniert oft nicht mehr." Und weil viele Menschen diese Erfahrung teilen, ist Thilo Fleschhut, der mit seinem Vater im Radius von etwa 200 Kilometern sein Geschäft betreibt, derzeit ein besonders gefragter Mann. Von Wangen, Ravensburg und Bad Waldsee, wo er demnächst sein Hauptgeschäft haben wird, macht er sich auf. Nicht immer, wenn er beim Kunden kommt, entschließt er sich zum Vernichten des Wespennests: "Oft hängen die Nester so, dass sie den Menschen nicht stören. Dann muss man versuchen, mit dem Nest zu leben." Vor allem dann, wenn die Nester in unbenutzten Dachböden angesiedelt sind, belässt sie der Schädlingsbekämpfer, wie sich Fleschhut nennt, an Ort und Stelle. Schließlich sind Wespen, so lästig sie auch sein mögen und so gefährlich die Stiche für manche Menschen auch sind, keine Schädlinge im eigentlichen Sinne. Da spiele dann oft die Psychologie eine Rolle, meint Fleschhut, wenn man der Kundschaft das beibringen soll. Einen Rat hat der Fachmann für die Laien auch noch parat, die selber Hand anlegen wollen: Bloß nicht mit Silikon zuspritzen. Denn die Wespen können sich durch alle möglichen Baustoffe fressen und sind dann erst recht dort, wo man sie am wenigsten haben möchte. Thilo Fleschhut ist ausgebildeter Betriebswirt, hat sich in den letzten Jahren zum Schädlingsbekämpfer ausbilden lassen und den Desinfektorenschein bei der Medizinischen Landesuntersuchungsanstalt erworben. Denn von Wespen oder Ratten und Mäusen, die oft im Herbst für Aufsehen sorgen, könnte ein Schädlingsbekämpfer nicht leben. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der Hygiene von Firmen, die Lebensmittel herstellen, wie etwa Metzger oder Bäcker. Dass auch der Schädlingsbekämpfer bei seiner Arbeit Opfer jener Geschöpfe wird, denen er zu Leibe rückt, steht außer Frage. "Ich werde regelmäßig gestochen", sagt er. Und der Vater habe kürzlich acht Stiche auf einmal abbekommen. Geschadet habe es aber nicht.